Die Fensterbank (Monodram von Tino Manolias)

Dieses Monodram nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in die Gedankenwelt von Felix. Mit viereinhalb Jahren wird er zum ersten Mal mit dem Thema Tod konfrontiert, als sein ein Jahr älterer Bruder ihm mitteilt, dass er nicht mehr lange leben wird. Felix hat ein ganz enges Verhältnis zu seinem todkranken Bruder. Und das obwohl er spürt, wie sehr dessen schwere Krankheit seine Kindheit überschattet. Sein Vater nimmt ihn eigentlich gar nicht wahr und legt damit den Grundstein für eine Frage, die Felix für den Rest seines Lebens beschäftigen wird. Eine Frage, die fortwährender Ursprung seiner Selbstzweifel ist. Wer sieht ihn? – Sieht ihn wirklich? Bei einem Menschen ist er sich immer ganz sicher, bei seiner Mutter. Aber wie alle anderen wird auch sie durch die Krankheit des Bruders mehr und mehr in Anspruch genommen.

Da sein Bruder nur noch selten mit Felix draußen spielen kann, wird die Fensterbank zum gemeinsamen Rückzugsort. Von dort aus beobachten sie die Welt. Bis der liebe Gott dem Bruder seine Schmerzen nimmt. Als Dank dafür bleibt dieser bei ihm im Himmel. Eine Erklärung, mit der Felix leben und die Trennung ertragen kann. Und die Fensterbank bleibt der Ort, von dem aus er mit seinem Bruder in Kontakt bleibt.

Felix hat gelernt, in sich hinein zu hören. Obwohl er sich manchmal wünscht, es gäbe sie nicht, diese innere Stimme. Sie ist es nämlich, die ihn darauf vorbereitet, den zweiten wichtigen Menschen in seinem Leben zu verlieren. Seine Oma erlebt seinen ersten Schultag nicht mehr mit. Wieder bleibt er alleine auf seiner Fensterbank zurück. In dem Wissen, dass sie nie mehr gemeinsam mit ihm dort sitzen wird, um die Nachbarn zu beobachten. Und nie wird sie einen von ihm geschriebenen Brief lesen können. Das Briefpapier hatte sie für seinen ersten Schultag gekauft. Eben dieses Briefpapier wird er für den Rest seines Lebens behalten.

Trotz all dieser Erfahrungen hat Felix in seiner ganz besonderen Art, auf das Leben zu schauen, nicht verlernt zu lachen. Im Gegenteil, Lachen ist gesund, das hat ihn seine Mutter gelehrt. Und das lehrt er den Zuschauer.

Belphegor, das Phantom aus dem Louvre, symbolisiert für Felix jene geheimnisvolle Macht, die unser Leben trotz aller Schicksalsschläge auch positiv beeinflusst.

All die Erinnerungen kommen zu Felix zurück, als seine Mutter stirbt. Er weiß genau, dass er nun wirklich niemanden mehr hat, der den Platz auf der Fensterbank wenigstens ab und zu mit ihm teilt. Doch über die Trauer hinaus gibt es auch Heiteres und vor allen Dingen Zuversicht.

"Die Fensterbank" führt den Zuschauer in eine Gedankenwelt voller Fantasie, einfühlsam und traurig, sensibel und optimistisch, manchmal geheimnisvoll und voller Spannung auf die Zukunft. Was ist die Kraft, die uns immer wieder nach vorne treibt?

Und am Ende stellen wir fest, dass ein Stück von Felix in jedem von uns steckt!

 (c)  Tino Manolias

"Paulus sagt, als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war." ( 1. Kor. 13, 11)

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